Robert Schumann

Klaviersonate Nr. 1, fis-Moll op. 11
Klaviersonate Nr. 3, f-Moll op 14 (Concert sans orchestre)

Bernd Glemser, Klavier

NAXOS 8.554275

Das Leben des Komponisten Robert Schumann war über viele Jahre hinweg von Schwermut überschattet. Konnte sich der künstlerisch Hochbegabte von Anfang an nicht recht entscheiden, ob er die Literaten- oder die Komponistenlaufbahn einschlagen sollte, so blieb er doch - auch nachdem die Entscheidung gefallen war - ein Zerrissener. Da war einmal das körperliche Gebrechen, das einer Karriere als Klaviervirtuose im Wege stand: angeblich durch übertriebenes Üben hatte er sich Lähmungserscheinungen in der rechten Hand zugezogen. Und da war die folgenschwere Haltung seines Klavierlehrers Friedrich Wieck, der seine Tochter Clara auf keinen Fall einem labilen Komponisten zur Frau geben wollte. Bekanntlich kämpfte das Paar Robert Schumann und Clara Wieck jahrelang um das Recht auf Heirat. Die Eheschließung wurde erst per Gerichtsentscheid 1840 möglich.
 
Was folgte, war für Schumann eine - vorübergehend - glückliche Lebens- und Schaffensphase, die schließlich einige Jahre später in die psychische Krankheit mündete. Aus der Zeit, in der Schumann noch in eine hoffnungsvollere Zukunft blickte, aus der Zeit der noch jungen Liebe zu Clara, stammen die beiden Klaviersonaten auf dieser CD, die Nr. 1 in fis-Moll und die Nr. 3 in f-Moll, die auch als "Konzert ohne Orchester" bezeichnet wird. Die Sonate Nr. 1 hat Schumann selbst später einmal selbstkritisch als "wüstes Zeug" bezeichnet, als sie seinen gereiften kompositorischen Vorstellungen nicht mehr entsprach. Aber genau das ist für unsere heutigen Ohren das reizvolle an diesem Werk: die Spontaneität und das phantasievolle Spiel der musikalischen Ideen dieses in Noten gesetzte "dramatischen Liebengedichts".
 
Auch die f-Moll-Sonate, die im gleichen Jahr, 1835, fertig wurde, ist eine Hymne an Clara Wieck. Im Kern liegt ihr ein von Clara vorgegebenes Thema zugrunde, das Robert Schumann gelegentlich ausschweifend behandelt hat. Der Untertitel der Sonate, "Konzert ohne Orchester" deutet schon auf die hohen virtuosen Anspräche hin, die dem Interpreten abverlangt werden. Kein Problem für Bernd Glemser, den Solisten auf dieser CD, der den Charakter der beiden Werke, die jugendliche Leidenschaft, das Spiel der Ideen und die kontrastierenden Gefühlswelten durchdacht und mit meisterhafter Brillanz zum Ausdruck bringt. Seitdem er als Sieger beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 1987 hervorging, zählt Bernd Glemser zu den herausragenden deutschen Pianisten auf internationalem Parkett.
 
Jürgen Seeger, Kultur aktuell